Mein Jahr in der L.I.D.A. – Begleitet mich einen Tag durch die L.I.D.A.
Als mein Bundesfreiwilligendienst im August 2025 zu Ende ging, stand ich vor einer wichtigen Frage: Wie soll es weitergehen?
Ich wünschte mir, bevor ich mit meiner Ausbildung im September 2026 starte, eine neue Herausforderung, wollte Erfahrungen sammeln und für einige Zeit ins Ausland gehen. Die Entscheidung fiel schließlich auf einen Ort, den ich bereits gut kannte und der mir schon lange ans Herz gewachsen war: die L.I.D.A. in Olbia auf Sardinien.
Die L.I.D.A., ihre Mitarbeiter und natürlich die vielen Tiere waren mir bereits durch die Besuche mit meiner Mutter vertraut. Gemeinsam waren und sind wir dort regelmäßig unterwegs, um unsere Vermittlungs-Hunde zu besuchen und sie für die Homepage zu fotografieren. Nach einem Gespräch mit Cosetta, der Tierheimleitung, packte ich also mein Auto und los ging mein Abenteuer L.I.D.A.
Mein Bereich: das Tettoia und die Casetta
Seit September 2025 arbeite ich also in der L.I.D.A. Zu meinem Bereich gehören das sogenannte „Tettoia“ und gegenüberliegend die „Casetta“. Beide sind mit vielen verschieden großen Gehegen ausgestattet.

Hier landen die unterschiedlichsten Hunde: frisch genesene Patienten aus dem Ambulatorio, ganze Welpenwürfe, Fundhunde oder Abgabetiere. Manche dürfen aufgrund ihres Impfstatus die Gehege zunächst nicht verlassen. Andere müssen nach ihrer Impfung noch eine Wartezeit von 15 Tagen einhalten. Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen an die tägliche Versorgung.
Der Tag beginnt früh
Meistens bin ich kurz nach sieben Uhr morgens bereits in der L.I.D.A. Schon beim Betreten des Geländes werde ich lautstark von meinen großen und kleinen Schätzen begrüßt. Die wichtigste Frage des Tages lautet natürlich: „Avete fame?“ – Habt ihr Hunger? Die Antwort ist eindeutig.
Also beginnt der Tag mit der Vorbereitung unzähliger Futterschüsseln. Zuerst werden die Welpen versorgt, danach die Hunde mit besonderen Bedürfnissen, beispielsweise Nierenpatienten, die spezielles Futter benötigen. Anschließend folgen die erwachsenen Hunde.



Während alle zufrieden frühstücken, bereiten wir bereits die Außengehege für die Welpen vor. Decken werden ausgelegt, Wasserschüsseln gefüllt und die Ausläufe eingerichtet. Dann dürfen die ersten Hunde schon mal raus. Die Welpen und kleineren Hunde kommen in die geschützten Welpenausläufe. Größere Gruppen verträglicher Hunde dürfen ins „Sgambamento“, dem Hundespielplatz der L.I.D.A. Andere genießen ihre Zeit auf der Veranda.
Putzen, Waschen und Organisieren

Gegen 8:30 Uhr beginnt die tägliche Reinigung.
Gehege werden gesäubert, verschmutzte Decken und Näpfe ausgetauscht. Anschließend wird Wäsche aufgehängt, trockene, frische Wäsche wird für die Gehege in den Carrello geladen.
Kaum ist alles erledigt, stehen meist schon die ersten Gassigänger bereit. Besonders die Hunde, die nicht gemeinsam mit den anderen z.B. im Sgambamento sein können und deshalb in ihren Gehegen ausharren mussten, freuen sich nun auf ihren Spaziergang. Gegen 9:30 Uhr gönnen wir uns eine kurze Verschnaufpause. Und was darf in Italien natürlich nicht fehlen? Ein Espresso. Klein, stark und hmmmm molto buono.
Wenn kein Tag dem anderen gleicht
Ab zehn Uhr geht es meist ohne Pause weiter. Hunde werden für Spaziergänge vorbereitet, Gehege gereinigt und hergerichtet. Zum Abschluss werden die Bereiche gefegt. Doch in einem Tierheim läuft selten alles nach Plan.
Plötzlich fällt mir auf, dass einer meiner kleinen Schützlinge sein Futter nicht angerührt hat. Er wirkt matt, hat Fieber und zieht sich zurück. Sofort greife ich zum Telefon und rufe Gaia an, unsere Tierärztin.
„Komm sofort vorbei“, sagt sie.
Ich nehme den kleinen Patienten auf den Arm und bringe ihn ins Ambulatorio. Gaia untersucht ihn gründlich, misst Fieber und nimmt Blut ab. Schnell ist klar: Er kann nicht zurück in sein Gehege und bleibt zunächst zur Beobachtung.

Nachmittags wird es oft turbulent
Gegen 13:15 Uhr geht`s in die zweite große Reinigungsrunde. Vor allem die Welpengehege müssen erneut gesäubert werden. Wo viel Futter reingeht, kommt hinten auch wieder was raus. Heute ist außerdem ASL-Tag. Die ASL ist das italienische Veterinäramt. An diesen Tagen wird es besonders hektisch. Hunde werden vorgestellt, untersucht, geimpft und dokumentiert.
Doch dann fährt plötzlich die Guardia Eco-Zoofile vor. Die amtlichen Tier- und Umweltschützer haben uns einen ausgesetzten Hund gebracht. Der kleine Kerl sitzt völlig verängstigt im Fahrzeug und versucht aus Angst nach allem zu schnappen, was ihm zu nahe kommt. Gemeinsam und mit viel Geduld gelingt es uns, ihn vorsichtig ins Ambulatorio zu bringen, wo Gaia ihn sofort übernimmt.
Feierabend? Nicht wirklich.
Offiziell endet meine Schicht gegen 15 Uhr. Wer allerdings im Tierschutz arbeitet, weiß: Feierabend ist oft nur ein theoretischer Begriff. Heute fahren kurz vor Schluss noch zwei Autos vor.

Marco, mein lieber Kollege und gute Seele der L.I.D.A. kümmert sich um die Familie, die einen Wurf Katzenbabys gefunden haben, deren Augen vollständig verklebt sind.
Ich nehme die Sachspenden entgegen: Futter, Decken, Bettunterlagen und Candeggina – besser bekannt als Klorix –, das wir täglich zur Desinfektion der Gehege benötigen. Cosettas Telefon klingelt ununterbrochen, sie beantwortet geduldig alle möglichen Fragen während sie nebenher noch Futter und Katzenstreu in die Regale einräumt. Wann hatten Cosetta und Marco eigentlich ihren letzten freien Tag? Für mich sind die beiden ein großes Phänomen, denn sie arbeiten unermüdlich für ihre Schützlinge und das seit Jahr und Tag. Urlaub – Fehlanzeige!
Langsam geht die Sonne unter und eigentlich könnte der Tag so langsam ausklingen. Eigentlich. Die Pizza ist bereits bestellt, als Marco einen Anruf erhält: Auf der SS125 läuft ein Hund. Schon seit Tagen versucht man ihn erfolglos einzufangen.
Mehr als nur Arbeit

Also springen wir in den L.I.D.A.-Bus und fahren los. Wir schaffen es, ihn zu sichern. Er ist bis auf die Knochen abgemagert, dehydriert und auch er droht nach vorn zu gehen beim Versuch ihn einzufangen. Als wir zurückkommen, ist die Pizza längst kalt. Aber nach solch einem Tag schmeckt selbst kalte Pizza wie ein Festmahl.
Kein Tag in der L.I.D.A. gleicht dem anderen. Der Hund von der Straße, unser zauberhafter Zeno,
hat es leider nicht geschafft, er ist vor kurzem gestorben. Auch das gehört zu unserem Alltag – leider.
Täglich kommen neue Welpenwürfe, verletzte, angefahrene Katzen, ausgesetzte Hunde oder andere hilfsbedürftige Tiere zu uns. Hinter jedem einzelnen steckt eine Geschichte, die mich zutiefst berührt.


Abends falle ich oft todmüde ins Bett, nehme noch eben meinen kleinen Pflegi Cip ganz fest in die Arme, bevor mir die Augen zufallen. Trotzdem ist es eine solch wundervolle, befriedigende Aufgabe. Diese Arbeit hier ist weit mehr als ein Job. Es ist eine Berufung.
Es sind aber auch die Menschen, die diesen Ort so besonders machen. Die Mitarbeiter der L.I.D.A. sind wundervolle Menschen, die für unsere Tiere alles geben. Sie haben mich ohne Wenn und Aber in ihre L.I.D.A. Familie aufgenommen. Aus diesen Kollegen sind mittlerweile Freunde geworden. Natürlich freue ich mich auch auf mein Zuhause, auf meine Freunde, meine Familie in Deutschland, aber ich freue mich auch auf den Tag wenn ich zurückkehre und sie alle in meine Arme schließen darf.
Bis dahin: Vi voglio tanto, tanto bene
Eure Jana

























