Xanders Familie erzählt von Angst, Rückschritten und schwierigen Momenten, aber genauso von Vertrauen, Geduld und den vielen kleinen Erfolgen, die am Ende den großen Unterschied machen. Für Menschen, die überlegen, einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben, ist das eine wunderbare und ehrliche Geschichte. Sie zeigt, dass nicht vom ersten Tag an alles klappt, nicht alles perfekt sein muss und dass sich der gemeinsame Weg lohnt- IMMER.
Mit viel Aufregung und freudiger Erwartung sind wir am 20.12.2025 früh nach Nürnberg gefahren, um unser neues Familienmitglied nach Hause zu holen. Xander, den wir umbenannt haben und der nun Chester heißt, kam nach der langen Fahrt natürlich sehr ängstlich aus dem Transporter. Die Tränen sind gelaufen, und wir waren noch mehr verliebt als auf den Bildern. Vor allem Julian, unser 12-Jähriger, der sich das Geld für ihn zusammengespart hatte, war überglücklich.



Im Auto hat er sich vor Erschöpfung hingelegt und geschlafen. Fast so, als hätte er gewusst: Hier passiert mir nichts, hier bin ich sicher. Kurz vor zu Hause hat seine Blase es dann nicht mehr ausgehalten, und er hat sich auf der Decke entleert. Er schien sehr reinlich zu sein und hat anschließend sogar versucht, die Decke wegzuräumen. Im Haus angekommen, hat er vorsichtig seine neue Umgebung erkundet. Er entdeckte sein kuscheliges Körbchen, das sofort zu seiner Sicherheitszone wurde.
Sein Futter hat er uns aus der Hand abgenommen. Natürlich waren ihm alle fremden Geräusche sehr suspekt, und bei Kleinigkeiten in der Küche ist er oft heftig erschrocken. Alles war einfach nur große Angst. Rausgehen war so gut wie nicht möglich. Dennoch hat er sein Geschäft nie im Haus erledigt. Er hat wirklich lange ausgehalten. Dann lag auch noch gleich Schnee, der ihm aber sichtlich gefallen hat.
Inzwischen hatte er seinen Platz auf unserer Couch gefunden. Da neben all seinen Ängsten, die er zum Teil noch immer hat, auch noch Silvester vor der Tür stand, wurde alles noch etwas schwieriger. Die Fortschritte, die er nach einigen Tagen beim Gassigehen gemacht hatte, wurden innerhalb eines einzigen Tages wieder zunichtegemacht. In den nächsten Tagen war Rausgehen kaum möglich. Auch der Garten war ganz schlimm für ihn. Er hat ganze zwei Tage ausgehalten, ohne sich zu lösen. Wir hatten echte Sorge. Langsam besserte es sich aber, und wir konnten kleine Runden ums Haus drehen. Wochenlang immer dieselbe Strecke.





Sein Vertrauen zu uns ist deutlich gewachsen. Seine wilden Rennrunden haben mich öfter zu Fall gebracht. Zum Glück lag Schnee, sodass es keine ernsteren Verletzungen gab. Wir hatten ihn immer mit einem Bauchgurt gesichert.
Dann hatten wir einen kleinen Rückschritt. Unser Sohn wollte zu ihm auf die Couch, und dann passierte es: Chester schnappte nach ihm. Er hat nicht gebissen, aber deutlich gezeigt: Das ist mein Platz! Nach Rücksprache mit Anja war klar, dass wir ihn von der Couch holen und das Vertrauen zwischen ihm und Julian wieder aufbauen mussten. Immer wenn er auf die Couch wollte, haben wir ihn mit einem deutlichen „Nein“ und mithilfe der Hausleine wieder heruntergeholt. Das mussten wir nur zweimal machen, und er hat verstanden: Da darf ich nicht rauf.
Julian war derjenige, der ihm jeden Tag das Futter gegeben hat – übrigens bringt er es ihm auch heute noch. Julian hat das ganz toll gemacht, und zum Glück war er auch nicht überängstlich. Er war einfach viel aufmerksamer und konnte die Zeichen besser erkennen, wenn Chester seine Ruhe haben wollte. Außerdem haben wir sofort einen Termin mit der Hundetrainerin vor Ort vereinbart, die uns wertvolle Tipps gegeben hat.
Inzwischen waren ihm auch die Küchengeräusche gar nicht mehr so fremd. Der Staubsauger hingegen hatte ihn von Anfang an nie gestört. Als der Frühling kam und der Schnee langsam verschwand, konnten wir mit der Hundeschule beginnen. Ein Kurs für Tierschutzhunde! Das war sehr aufregend für ihn. Ohhh, so viele Hunde, mit denen er spielen wollte und nicht durfte! Die ersten Male war er so unruhig und hibbelig. Auch die Gassirunden wurden wieder schwieriger, da ohne Schnee plötzlich alles anders war.



Inzwischen besuchen wir regelmäßig verschiedene Kurse: einen Mutmachkurs, einen Leinenkurs sowie Kurse für Konzentration und Kommunikation. Dazu kommen Alltagsspaziergänge an verschiedenen, belebteren Orten, die ihn auch heute noch ganz schön fordern. In der Hundeschule überwindet er inzwischen viele Hindernisse ohne Probleme, vor denen er am Anfang die größten Ängste hatte. Aber er hat so schöne Fortschritte gemacht!
Wenn wir draußen sind und sein kleines Herrchen aus der Schule kommt, schaut Chester nach dem Bus, um zu sehen, ob Julian auch aussteigt. Dann ist er ganz aus dem Häuschen.
Er hat sich so toll entwickelt! Wir können endlich große Gassirunden machen, und unser See ist inzwischen auch sein Freund geworden. Die erste Zeit war es schwierig, aber unser Nachbarshund hat ihm gezeigt, wie schön Wasser sein kann. Auch sein Planschbecken liebt Chester sehr. Unsere Terrasse ist oft ganz schwarz, weil er mit seinem Freund wie wild durch Wasser, Wiese und Sand tobt. Wasser in der Dusche oder in der Wanne hingegen geht gar nicht!





Auch hat er so manche charmante Macke. Er klaut sehr gerne alles, was er finden kann: Lappen, Handtücher, Socken, Schuhe – Badelatschen sind dabei die Besten! Vergisst man, diese hochzulegen, sind sie weg. Da müssen wir mit Tricks arbeiten, denn wenn er erst einmal Beute gemacht hat, gibt er sie nur ungern wieder her. Auch dabei hatten wir schon Rückschritte. Langsam wird aber auch das besser, und meistens lässt er sich mit spielerischen Worten ablenken. Daran arbeiten wir gerade. Auch das Betteln hat er schnell herausgefunden. Jetzt wird er beim Essen liebevoll auf seinen Platz begleitet.
Gassigehen ist übrigens nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Er muss liebevoll dazu überredet werden. Die Morgenrunde ist ihm generell zu früh. Im Körbchen hebt er nur schwach die Beinchen, damit wir ihn kraulen, möchte aber sehr gerne weiterschlafen. Kommen wir mit dem Geschirr, zack, wird sich hingelegt, damit wir es ihm nicht anziehen können. Wollen wir allerdings mit dem Auto los, kann er gar nicht schnell genug aufstehen und hineinspringen.
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie er war, als er bei uns angekommen ist: wie ein kleines Häufchen Elend. Inzwischen ist er ein recht selbstbewusster Hund geworden. Na ja, außer wenn der Wind weht und die Blätter rascheln. Ich bin jetzt schon auf den Herbst gespannt!





Nun ist er bald ein ganzes Jahr bei uns, und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Er hat seinen ersten Urlaub mit uns verbracht und viele Meilensteine geschafft. Er wird hier von allen so sehr geliebt. Selbst unser Großer, der vorher eher neutral war, sagt ihm ständig: „Ick liebe Dir, Chester!“ Auch wenn es bis hierher viel Arbeit war und noch viel auf uns zukommen wird, würden wir ihn nie mehr missen wollen. Es ist einfach für uns bestimmt. Es ist es wert, nicht aufzugeben, wenn es mal schwierig wird.
Inzwischen darf er auch wieder auf die Couch. Er weiß jetzt: Sie gehört uns, und er darf darauf liegen, aber sie gehört nicht ihm. Wir sind so dankbar, die Chance bekommen zu haben, unseren Traumhund bei uns aufzunehmen. ❤️


Und wir, das Team von den PfotenFreunden Sardinien, sind so unglaublich stolz auf euch und dankbar, dass ihr unsere Ratschläge angenommen habt, sie umgesetzt habt und vor allem, dass ihr Xander nicht aufgegeben habt. Grazie di cuore
























