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Ein ganz normaler Tag in der L.I.D.A.

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Elke Schmitz
Elke Schmitz
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Ein ganz normaler Tag in der L.I.D.A

Wenn man als tierliebender Tourist oder Einheimischer oder als Tierschützer, egal wo man herkommt, die LIDA besucht, springt einen das Leid der großen und kleinen Tiere förmlich an. Fast alle Hunde buhlen um die Aufmerksamkeit des (unbekannten) Menschen oder versuchen, diesen aus dem eigenen Territorium zu verbellen. Man sieht sofort schüchterne, ängstliche, scheinaggressive, selbstbewusste, kranke, körperlich eingeschränkte Tiere – und das zu Dutzenden, egal durch welchen Eingang man die LIDA betritt. Das geht an keinem spurlos vorbei und das zu erleben und erlebbar zu machen, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Tierschutzarbeit. Gerade durch persönliche Betroffenheit entsteht eine besondere Bindung zum Tierschutz oder fällt man die Entscheidung, eine Tierschutzpfote zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen. 

Aber um all das oben Beschriebene soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen.

In den zweieinhalb Wochen, in denen ich vor Kurzem auf Sardinien war, habe ich fast jeden zweiten Tag in der LIDA verbracht. Natürlich auch, um die damals schon für uns reservierten Hunde und Katzen zu besuchen, zu fotografieren und zu filmen. Die meiste Zeit aber habe ich damit verbracht, die Mitarbeitenden in der LIDA im Rahmen meiner Möglichkeiten bei ihren Tätigkeiten zu unterstützen und dabei ein wenig am herausfordernden Tagesablauf teilgenommen. Insgesamt 14 Mitarbeitende des LIDA-Teams (darunter drei, die ausschließlich zum tierärztlichen Team gehören) kümmern sich aktuell um ca. 650 Hunde und 250 Katzen. Die meisten davon arbeiten in Teilzeit.


Der Arbeitstag bei der Hundeversorgung beginnt mit der großen Schubkarrenwanderung.

Alle Hundegehege auf dem weitläufigen Gelände müssen angefahren werden, um Futter dorthin zu bringen und es in saubere Näpfe zu füllen. In den meisten Gehegen stehen große Wasserbottiche, die aufgefüllt werden. Zusätzlich werden die Gehege gesäubert und natürlich müssen die dreckigen Näpfe auch wieder zurück zur „Basis“ gefahren werden. Auf diese Weise kommen viele Kilometer zusammen, die mit vollbeladenen Karren in der oft sengenden Hitze zurückgelegt werden. In den Sommermonaten bzw. an den Tagen, an denen Temperaturen von über 30 Grad vorhergesagt sind, beginnt die Arbeit schon einige Stunden früher, um den Mittagstemperaturen so weit wie möglich zu entgehen.

Diejenigen Hunde, die unter Beobachtung oder Quarantäne stehen, sind in einer separaten kleinen Halle in Einzelkäfigen untergebracht. Auch diese etwa 20 Käfige müssen von Hand gesäubert und die die Hunde versorgt werden. In und an dieser Halle befindet sich auch die Versorgungsbasis mit Futtervorräten, Spülbecken, haufenweise Kartons mit alten Zeitungen (als Unterlage für viele Käfige), Sammelcontainer für Wäsche etc.

Die Katzen sind in verschiedenen Häusern in Käfigen untergebracht und auch diese müssen geputzt und mit sauberen Unterlagen versehen werden. Die Fütterung gestaltet sich hier etwas weniger aufwändig, weil die Katzen räumlich deutlich näher zueinander „wohnen“ als die Hunde. Für die Versorgung ist das praktischer, für den Lebenskomfort der Katzen ist das eher negativ. Während meiner Zeit in der LIDA hat es mir das kleine, separate „Haus“ (eher ein überdachtes kleines Gehege) der Katzen mit körperlichen Einschränkungen besonders angetan. Die meisten der kleinen Fellnasen sind gelähmt und ziehen bei Ihren Streifzügen durch das Gehege Ihre Hinterläufe nach. Damit sie sich dabei nicht die Beine aufscheuern, wird das gesamte Haus mit Decken ausgelegt – und das muss jeden Tag neu geschehen. Für die Reinigung des Hauses und die Versorgung der Katzen in diesem Haus benötigt man mit etwas Übung etwa 45 Minuten. Dabei bekommt man schon einmal eine übermütige Katzenkralle in den Schuh oder die Hand, wenn gerade mal wieder die „Reinigungskraft“ mit dem Spielkameraden verwechselt wird. Auch Streicheleinheiten werden gerne entgegengenommen, während die nächste Hausbewohnerin sich schon heimlich mit der neuen, noch nicht ausgebreiteten Decke davon machen will.

Auf die meisten sehr jungen Hundewelpen wartet nach der Fütterung der tägliche Ausflug. Auf dem Platz vor der Versorgungsbasis werden die variablen Kleingehege auf Unterlagen aus alten Decken platziert und entfaltet und die Welpen nach und nach wurfweise dort hineingesetzt. Die Welpen haben so sehr häufigen menschlichen Kontakt, da fast alle Mitarbeitenden, ehrenamtliche Helfer und Besucher zwischen den Gehegen entlang gehen müssen. Außerdem sind die kleinen Wirbelwinde so unter ständiger Beobachtung und ein außergewöhnliches Verhalten wie Hinken, Apathie, Winseln etc. fällt viel schneller auf. Gegen die Langeweile setzt das Team in vielen Fällen auf leere PET-Flaschen. Die Knistern ganz toll, wenn man mit ihnen spielt und sie sind im Vergleich zu anderen Behelfsspielzeugen recht langlebig und ungefährlich. Gegen die sardische Sonne müssen die Kleinsten besonders geschützt werden. Deswegen bekommen die kleinen Gehege alle einen Sonnenschutz aus alten Bettlaken. Aber wehe, die hängen zu tief oder sind schlecht befestigt. Dann hat der Nachwuchs direkt das nächste große Spielzeug in Bearbeitung!

Von Decken, Betttüchern und Handtüchern unter, auf und in Gehegen und Käfigen war bisher die Rede. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass all diese Hilfsmittel täglich gewaschen und getrocknet und anschließend wieder im zentralen Magazin untergebracht werden müssen. Bergeweise Wäsche fällt jeden Tag an, die in offenen Containern gestapelt und in großen Zugkarren zwischen dem Waschraum und der Versorgungsbasis hin- und hergefahren werden. Eine Industriewaschmaschine ist hier fast den gesamten Tag im Säuberungseinsatz. Rund um die Gehege an der Basis sind auch Dutzende Meter Wäscheleinen und viele Wäschespinnen platziert, an denen man sich jeden Tag stundenlang mit dem Auf- und Abhängen und Falten der Wäsche beschäftigen kann.

Zu guter Letzt wartet auf das Team dann noch die Vorbereitung auf den nächsten Tag. Da eine effektive Napfspülmaschine noch nicht erfunden wurde, ist auch bei den dreckigen Näpfen Handarbeit angesagt. An, unter und auf den Spülbecken stapeln sich dann die gesäuberten Futterstationen, damit sie am nächsten Morgen direkt wiederverwendet werden können.

Von Notfällen und Routine

Neben diesen ganzen Routinearbeiten kommen dann natürlich die „ganz normalen täglichen Notfälle“ dazu, wenn beispielsweise ein Tier krank oder verletzt ist und in die glücklicherweise recht nahe Tierklinik gebracht werden muss oder Touristen bzw. Einheimische Fundtiere bringen, die neu aufgenommen werden müssen. Von den Verwaltungsarbeiten wie Futterbestandsaufnahme, Arztverhandlungen und Transportvorbereitungen oder den tierärztlichen Aktivitäten will ich gar nicht anfangen.

Wenn ich selbst dann am Ende des Arbeitstages noch etwas Zeit hatte, habe ich mir dann noch ein oder zwei Hunde aus dem Beobachtungs- und Quarantäneraum genommen, um mit diesen eine kleine Gassirunde zu drehen. Hierfür hat auch das LIDA-Team nicht immer Zeit, aber es gibt einige ehrenamtliche Helfer, die sich darum kümmern, dass auch die „Käfigbewohner“ mal ein wenig Auslauf bekommen. Für mich war der Tag in der LIDA zu Ende, doch für viele Helfer waren es noch ein paar Stunden bis zum Feierabend. 

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