In der Früh geht es los
Bei meinem Sardinien-Aufenthalt im Oktober habe ich eine befreundete Tierschützerin auf ihrer Futter-Runde begleitet. Sie kümmert sich zusammen mit einer sardischen Kollegin um die zahlreichen Streunerkatzen in Porto Rotondo, im Norden Sardiniens. Ich war sehr neugierig, wie so ein Tag verläuft und so sind wir morgens um 8.30h gemeinsam gestartet.
Zuerst ging einmal zum Futter-Großhandel in Olbia, um einige Paletten hochwertiges Nassfutter für die Katzen zu besorgen. Danach haben wir die Ladung in das Futterdepot gebracht und die tägliche Ration an Nass- und Trockenfutter, sowie Kanister mit Frischwasser für die hungrigen Miezen in den Kofferraum geladen. Hier warteten schon die ersten zwei hungrigen Seelen auf ihr Frühstück.



Unsere Tour führte uns nach festem Ablaufplan an zahlreiche, teilweise gut versteckte Futterplätze in und um die Wohngebiete, den Hafen und in die Hügel von Porto Rotondo. Die vielen kleinen Futterstellen haben den Vorteil, dass die Katzen sehr geschützt und in ihren eigenen kleinen Territorien gefüttert werden. So vermeiden sich Revier-Reibereien und die Tiere sind auch vor den Blicken der Touristen oder katzenfeindlichen Subjekten besser versteckt.
Wir werden erwartet
Die Katzen kennen diese festen Zeiten seit Jahren und warteten meist schon, als wir dort ankamen. An jeder Futterstelle gibt es Behältnisse für frisches Wasser, das täglich gewechselt wird, und die Katzen bekommen alle Nassfutter sowie eine Ration Trockenfutter.
Alle Katzen haben einen Namen, sind gut genährt und kastriert, einige sehr zutraulich, viele aber auch zurückhaltend. Das hat auch einen guten Grund. Nicht alle Menschen sind den Samtpfoten wohl gesonnen. Leider sind auch im letzten Jahr einige vergiftet, eingesperrt oder angefahren worden. Es ist immer sehr schmerzlich, wenn eine oder mehrere Katzen einige Tage nicht mehr an der Futterstelle auftauchen, es bedeutet oft eine schlechte Nachricht.







Sobald neue Tiere zu den kleinen Rudeln stoßen, werden sie eingefangen und zur Kastration in die L.I.D.A. gebracht. An den Kosten zur Kastration beteiligen sich auch die PfotenFreunde. Auch um die medizinische Versorgung kümmern sich die beiden Damen mit ihrem kleinen Verein. Wie überall im Tierschutz ist es sehr schwierig, immer ausreichend Spendengelder zur Verfügung zu haben, um Futter- und Arztkosten zu stemmen.
Unsere gesamte Tour dauerte vier Stunden, und es war „nur“ füttern. Ich habe vergessen zu zählen, wie viele Miezen insgesamt ihre Bäuchlein gefüllt haben, aber es waren viele. Wenn ein Notfall dazu kommt und ein Tier eingefangen und zum Tierarzt gebracht werden muss, dann geht auch oft ein ganzer Tag ins Land.
Gelebter Tierschutz auf Sardinien
Es ist fantastisch, dass es solche Menschen gibt, die sich ehrenamtlich mit Herz und Seele seit vielen Jahren unermüdlich für die sardischen Katzen einsetzen. Ohne sie wären viele Katzen ihrem Schicksal ausgeliefert. Es braucht viel Zeit und Geduld um auch die ansässige Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Katzen ein Recht auf Leben haben. Dafür muss man auch Anfeindungen aushalten können von unverbesserlichen Katzenhassern, doch die Toleranz und das Verständnis wächst von Jahr zu Jahr.
Diese Arbeit leisten viele Freiwillige auf Sardinien und verdienen unseren höchsten Respekt. Sie tragen dazu bei, das Leben der Katzen ein Stück besser zu machen. Die Kontrolle über diese Populationen macht es möglich, dass Katzen in Freiheit leben dürfen und doch versorgt sind. Auch hier ist es von großer Bedeutung, dass alle Tiere kastriert werden, die sich an eine Futterkolonie anschließen.
Einige Helfer, gerade im Raum um Olbia, sind in Kontakt mit der L.I.D.A. und die PfotenFreunde helfen hier mit Spendengeldern, die Kastrationskosten zu stemmen. Dieser Teil unserer Vereinsarbeit ist uns sehr wichtig, er scheint doch immer ein wenig „unsichtbar“. Doch es stecken viele Menschen dahinter, die täglich einen unschätzbaren Beitrag leisten für den gelebten Tierschutz auf Sardinien.





















